Bericht vom Landestreffen des DGM Landesverbands Bremen / Niedersachsen am 15.08. 2026 im Stephansstift Hannover
Pünktlich eröffnete der Vorsitzende Christian Züchner die Veranstaltung und freute sich über die trotz der Hitze rege Beteiligung.
Nach der Gedenkminute für die Verstorbenen und dem Grußwort aus dem Bundesvorstand ging es um einen wichtigen aber wenig beachteten Muskel – das Zwerchfell. Ihm widmete Prof. Dr. Schönhofer (Klinik für Pneumologie und Infektiologie, Seniorprofessor an der MHH) seinen Vortrag…
„Der unsichtbare Treibstoff – Wie Atem zu Energie wird“
Einleitend erklärte er das respiratorische System, in dem das Zwerchfell als Atempumpe die zentrale Rolle spielt. Bei neuromuskulären Erkrankungen (NME) läge oft eine Zwerchfellschwäche vor, die zu neurologischen Problemen führe, da der Nervus phrenicus gestört ist, d.h. das „Kabel“ vom Gehirn zum Zwerchfell ist unterbrochen. Lunge und Bronchien seien bei NME- Betroffenen in der Regel in Ordnung. Zwerchfellschwäche sei an Symptomen wie Luftnot, schwachem Hustenstoß, Kopfschmerzen, Tagesschläfrigkeit, Verschleimung der Atemwege und Schlafstörungen zu erkennen. Eine genauere Diagnose würde mittels Lungenfunktionsprüfung und Blutgasanalyse gestellt. Bei Atmungsschwäche im Schlaf sei zu klären, ob Sauerstoffmangel bestehe oder der CO2– Anteil zu hoch ist. Dies könne durch O2 und CO2– Analyse und ein Zwerchfell-Ultraschall festgestellt werden.
Therapien seien Beatmung, die bei Schwäche der Atempumpe gebraucht wird. Sauerstofftherapie sei bei NME nicht geeignet. Stattdessen kämen NIV (nichtinvasive Beatmung) oder Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) zum Einsatz. Im Lyoner Zentrum der Heimbeatmung habe man mit Maskenbeatmung und Mundbeatmung (Mouthpiece Ventilation) große Erfolge z.B. bei Duchenne erzielt. Auch im Bereich Schlaf führe NIV zu weitreichenden Verbesserungen.
Die invasive Beatmung nach Tracheotomie habe Vorteile und Nachteile: Vorteilhaft sei, dass ein sicherer Zugang besteht und es weniger Probleme z.B. mit Leckagen gebe. Nachteilig sei, dass mit der Invasiven Beatmung eine weitgehende Aufgabe der Selbstständigkeit verbunden sei, Abhängigkeit von Hilfskräften bestehe und sich eine große Zusatzbelastung für die Angehörigen ergebe. Deshalb sei es äußerst wichtig, mit Beginn der Beatmung eine permanente Kommunikation über die eigene Zukunft zu führen. Das sei „Arbeit, Arbeit, Arbeit“ für die Betroffenen und ihre Angehörigen, damit gutes Leben und Sterben möglich wird.
Am Ende seines Vortrags war das Hemd Professor Schönhofers durchgeschwitzt, weil er seine Ausführungen immer wieder durch Demonstrationen unterstützte und auch die Zuhörerinnen und Zuhörer dazu aufforderte, es ihm gleich zu tun, indem sie sich an Nase und Mund fassen oder die Hand auf den Bauch legen sollten. Dies nicht nur um die Vibration des Zwerchfells bei seinen humorvollen Aussagen zu fühlen. Für sein engagiertes, kurzweiliges Referat dankte ihm das Plenum mit donnerndem Applaus und der Vorstand mit einem Präsent.
Noch vor der Mittagspause wurde in dem Beitrag von Claudia Zissel und Peter Mioska (Atmungstherapeutin im Siloah Hannover und Vertreter der Firma Löwenstein medical) zum Thema „Hilfsmittel zur Atemtherapie“ informiert.
Für die Diagnostik seien zwei bis drei Nächte nötig, um die Anpassung der Maske, den Gerätedruck sowie das Tempo einzustellen und die Angehörigen zu schulen. Es gäbe Geräte für zuhause und draußen (am Rolli z. B.). Verschiedene Masken und Mundstücke wurden gezeigt und konnten in der Pause auch im Original besichtigt werden.
Die Referentin erklärte Geräte für das Sekretmanagement, mit denen der Speichelfluss abgesaugt wird oder der Husten unterstützt wird (Cough-Assist). Ziel sei eine verbesserte Lebensqualität durch z.B. weniger Tagesmüdigkeit.
Insgesamt verlange eine Beatmungstherapie hohen pflegerischen Aufwand, um z.B. Begleiterscheinungen und unerwünschte Effekte wie Leckagen, Augenentzündungen, Aspirationsneigung zu vermeiden. Deshalb sei ein multiprofessionelles Team nötig sowie gut vernetzte Koordinationszentren. Die Referentin und ihr Partner boten sich für die Pause zu persönlichen Gesprächen an und wurden von den Anwesenden dafür und für ihr Referat mit anhaltendem Applaus belohnt.
Ulrich Germar
Saubere Beatmungsgeräte – wichtige Tipps und ein reger Austausch
Im Anschluss an unsere Mitgliederversammlung gab es noch einen interessanten und informativen Vortrag von Claudia und Peter von der Firma Löwenstein. Diesmal stand ein besonders wichtiges Thema im Mittelpunkt: Wie halte ich mein Beatmungsgerät und das dazugehörige Zubehör richtig sauber?
Die Referenten erklärten anschaulich, worauf bei der regelmäßigen Reinigung zu achten ist. Besonders wichtig ist die Reinigung der Schläuche. Diese sollten etwa einmal im Monat für rund 30 Minuten vollständig in einer Seifenlauge eingetaucht werden. Auch die Maske benötigt eine regelmäßige Reinigung – hier wurde eine Reinigung etwa alle zwei bis drei Tage empfohlen. Dabei sollte man darauf achten, welche Teile der Maske sich demontieren lassen, damit auch schwer zugängliche Stellen gründlich gereinigt werden können.
Ein weiterer wichtiger Punkt war der Filterwechsel. Dieser sollte ebenfalls ungefähr einmal im Monat erfolgen.
Im Anschluss an den Vortrag gab es zahlreiche Fragen aus der Runde. Unter anderem wurde gefragt, ob es im Internet auch Videos gibt, die die Reinigung und Pflege der Geräte anschaulich erklären. Dies wurde von den Referenten bestätigt. Für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer war das sicherlich eine hilfreiche Information, denn gerade bei der Reinigung kann eine praktische Anleitung sehr nützlich sein.
Nach dem informativen Vortrag entwickelte sich ein reger und interessanter Austausch. Es wurden Erfahrungen geteilt, Fragen besprochen und sicherlich konnte jeder noch den einen oder anderen hilfreichen Tipp mit nach Hause nehmen.
Als kleines Dankeschön für ihren Besuch und den gelungenen Vortrag überreichten Christian und Ingrid den beiden Referenten anschließend Präsente.
Christian beendete die Veranstaltung schließlich etwas früher als geplant. Die verbleibende Zeit wurde jedoch gerne für einen intensiven Austausch untereinander genutzt. So blieb noch ausreichend Gelegenheit für persönliche Gespräche und ein gemütliches Beisammensein.
Insgesamt war es eine rundum gelungene Veranstaltung, die nicht nur wichtige Informationen zur Pflege und Hygiene der Beatmungsgeräte vermittelte, sondern auch wieder einmal zeigte, wie wertvoll der gemeinsame Austausch und das gegenseitige Unterstützen in unserer Gemeinschaft sind.
Peter Winne










