Low- & High-Tech in Göttingen: „Alle Arme fliegen hoch“

Am 1. November 2026 lud die DGM-Selbsthilfegruppe Göttingen zum Jahresabschluss-Treffen in die barrierefreien Räumlichkeiten des SC Hainberg 1980 e.V. ein. Unter der Leitung von Dr. Jörg Hartwig Bank (DGM-Kontaktperson) und Marco Schnyder (RolliTraining / Barriere Scouts Göttingen) kamen Mitglieder und Freunde der DGM zu einem geselligen Nachmittag der Halloween-dekorierteen Kaffeetafel  zusammen, um praktische Alltagshelfer kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen.

Den Auftakt machte Marco Schnyder mit einer „Lifehack“: Der 15-Cent-Flaschenhalter zum Selberbauen aus einer gewöhnlichen PET-Plastikflasche. Mit Akkuschrauber, Cutter und Plastikbrettt zeigte er Schritt für Schritt, wie schnell ein erstaunlich robuster Halter entsteht.
Wichtig: Löcher in Boden bohren, damit Regenwasser abfließen kann und beim Einsetzen der Flasche kein Überdruck entsteht. Befestigt wird der Halter mit Kabelbindern am Rahmen oder mit 6-mm-Schrauben direkt in den Profilschienen von Elektrorollstühlen.

Im zweiten Teil stellten Markus Driesel und Michael Ewert, zwei engagierte Mitarbeiter der Firma Kinova, moderne assistive Technologien vor, die Menschen mit Muskelerkrankungen im Alltag zu mehr Eigenständigkeit verhelfen können:

  1. Robotische Esshilfe – Obi: Das Gerät führt Speisen mit einem anlernbaren Löffelarm tropffrei direkt zum Mund. Es lässt sich über vier spülmaschinenfeste Schalen und individuelle Taster (z. B. auch Fuß- oder Knieschalter) einfach bedienen und ist transportabel.
  2. Rein manuelle Armunterstützung „Dowing“: Ein mechanisches System mit Federmechanismus und leichtgängigen Doppel-Kugellagern, das der Schwerkraft entgegenwirkt. Es entlastet die Arme bei fortschreitender Muskelerschöpfung – etwa beim Essen, Trinken oder der Gesichtspflege.
  3. Elektrisch unterstützte Armunterstützung: Jaco-Assistenz-Roboterarm. Dieses für Elektrorollstühle entwickelte System bietet per Knopfdruck stufenlose Neigungswinkel, unterstützt aktiv das Auswärtsgreifen und verfügt über eine Sperrfunktion, um die Armposition sicher zu arretieren.

Vor Ort wurde die Ansteuerung des Jaco-Roboterarms über den eigenen Rollstuhl-Joystick live demonstriert und konnten die Teilnehmer alle Hilfsmittel direkt ausprobieren.  

Jörg Bank

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