Im ersten ALS-Gesprächskreis des neuen Jahres ging es in der Region Hannover um ein Sorgen umwobenes Thema: „Mit Kindern über ALS sprechen“
Dazu waren als Referentinnen zu Gast vom Löwenzahnzentrum (Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche e.V., Hannover; https://www.loewenzahn-trauerzentrum.de):
Elke Peters und Alena Häuser (Leitung des Zentrums).
Einleitend berichteten beide kurz über ihre Tätigkeit bei Löwenzahn und im Hospizverband Niedersachsen. Da unter den Anwesenden mehrere betroffene Eltern, die selbst z. T. noch sehr kleine Kinder haben, sowie Großeltern waren, wählten die Referentinnen geschickt ein Verfahren, um ins Gespräch zu kommen und dabei die Fragen der Teilnehmenden zu beantworten. Aus 14 Bildkarten mit Abbildungen von Monstern wählte jede Person in der Runde sich „sein Monster“ aus, um dann mitzuteilen, was sie/ ihn zu ihrer/ seiner Auswahl gebracht hatte. Dadurch kam ein sehr lebendiges Gespräch über bewegende Fragen zustande: Wie spreche ich als erkranktes Elternteil mit meinem Kind über ALS? Wie weit darf ich dabei gehen? Woran wird mein Kind sich nach meinem Tod erinnern? Sollte ich diese Erinnerung vorbereiten? Wie gehe ich als Hinterbliebene/r mit der Trauer des Kindes und mit meiner eigenen Trauer um?
In der Hauptsache wurde im empathisch moderierten Gespräch deutlich, dass Kinder viel Sicherheit und Struktur bekommen sollten, wozu auch externe Personen beitragen können. Informationen zur Erkrankung und zum Ableben sollten vor allem gegeben werden, wenn Kinder von sich aus fragen. Ihre Fragen sollten ehrlich, aber nicht zu weitgehend, d.h. altersgerecht, beantwortet werden. Kinder sollten zu den Verstorbenen eine Beziehung und Erinnerung entwickeln und erhalten. Dazu könnte man z.B. die eigene Geschichte auf-schreiben (Stiftung Familienhörbuch hilfreich dazu). Um kleine Momente der Gemeinsamkeit zu bewahren, sind Brücken in die Erinnerung an die verstorbene Person hilfreich: Symbole wie Stern, Herz, Grab, Baum u.a. Dinge sowie Erzählungen dienen in der Trauer.
Bezüglich Beerdigung und Trauerfeier sollten Kinder gefragt werden, ob sie mitkommen möchten. Themen wie z. B. Sarg, Urne, Tiefe des Loches sowie über die Menschen, die auf der Trauerfeier sprechen, ist zu reden. Während der Trauerfeier sollte eine Person an der Seite des Kindes sein, die nicht so persönlich betroffen ist. Weggehen sollte erlaubt sein. Schließlich sei es empfehlenswert, ein Kind in die Auswahl der Beigaben einzubeziehen. Auch könnten Trauerfeiern kindgerecht gestaltet werden (Lebensfeier). All diese „bittersüßen Wirklichkeitsmacher“ helfen mit der Erkrankung und dem Verlust einer geliebten Person umzugehen.
Im Anschluss an das nachdenkliche und bereichernde Gespräch dankte Ingrid Haberland (als Leiterin des Gesprächskreises) im Namen der Teilnehmenden den Referentinnen.
Seltsam beschwingt kehrten die Anwesenden heim. Auch Erwachsenen helfen Sicherheit und Struktur im Umgang mit existenziellen Themen.
Ulrich Germar






