Mehr Befugnisse für Pflegefachkräfte

„Kann das nicht einfach mal schneller gehen?“ – diesen Satz hören wir im Pflege- und Versorgungsalltag oft. Wer mit ambulanten Diensten, Kliniken, Reha-Einrichtungen oder Pflegeberatungen zu tun hat, weiß: Viel Zeit geht für Abstimmungen, Diagnosen, Formulare und Nachweise drauf. Besonders bei neuromuskulären Erkrankungen kann sich ein verzögerter Ablauf spürbar auf die Lebensqualität auswirken.

Der Bundestag hat nun das „Gesetz zur Erweiterung der Befugnisse von Pflegefachpersonen und zur Entbürokratisierung in der Pflege“ beschlossen. Ziel ist es, Pflege stärker zu befähigen – und weniger aufzuhalten.

Was ist der Kern des Gesetzes?
Pflegefachpersonen sollen künftig in größerem Umfang eigenverantwortlich handeln dürfen. Konkret bedeutet das:

  • Sie dürfen bestimmte pflegerische Leistungen selbst veranlassen, ohne vorher zwingend eine ärztliche Anordnung zu benötigen.
  • Sie können im Rahmen einer pflegerischen Diagnose Bedarfe feststellen und entsprechende Maßnahmen einleiten.
  • Der Spielraum für Entscheidungen im direkten Kontakt mit Patientinnen und Patienten wird größer.

Damit wird anerkannt, was Pflegekräfte täglich zeigen: Sie sind nah am Menschen, haben fachliche Kompetenz und können viele Entscheidungen gut begründet treffen.

Weniger Papier, mehr Zeit für Menschen
Das Gesetz soll außerdem Bürokratie reduzieren. Dazu gehören:

  • Vereinfachte Dokumentationspflichten,
  • besser abgestimmte Qualitätsprüfungen,
  • schlankere Verfahren bei Anträgen.

Das kann Abläufe beschleunigen.

Chancen für Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen
Für uns bedeuten größere Pflegekompetenzen vor allem Potenzial für:

  • kürzere Wartezeiten,
  • weniger Umwege zwischen Stellen,
  • mehr Kontinuität in der Versorgung, gerade im häuslichen Umfeld.

Und: Das Gesetz fördert regionale Netzwerke und neue Wohn- und Unterstützungsformen. Das kann für Menschen, die selbstbestimmt leben wollen, neue Möglichkeiten eröffnen.

Wo liegen mögliche Herausforderungen?
Damit die Reform wirklich entlastet, braucht es:

  • gute Fort- und Weiterbildung, damit Pflegekräfte souverän entscheiden können,
  • klare Aufgaben- und Verantwortungsabgrenzungen zwischen Pflege und Medizin,
  • ausreichend Personal.

Denn: Mehr Verantwortung klingt gut, kann aber in Teams, die ohnehin stark gefordert sind, zunächst zusätzlichen Abstimmungsaufwand bedeuten. Ob Entlastung spürbar wird, hängt daher maßgeblich von der Umsetzung vor Ort ab.

Unser Fazit
Das Gesetz setzt ein wichtiges Signal: Pflege wird nicht nur als „helfende Hand“, sondern als professioneller Beruf mit eigener Expertise anerkannt. Für viele von uns bietet das die Aussicht auf schnellere und verlässlichere Unterstützung. Gleichzeitig sollten wir aufmerksam verfolgen, wie die Umsetzung gelingt.

Wir freuen uns über eure Erfahrungen und euer Feedback!